Tee - Wasser mit Geschmack oder doch mehr ?
Der Tee und schon wieder China - The(e)sen zum Tee
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Es ist so, lieber Leser. Was wir schon über Feng Shui oder Yin und Yang gelesen haben oder bereits wissen, gilt auch für den Tee. Die altehrwürdigen Chinesen gelten als die Tee - Erfinder, oder vielleicht besser, Tee - Entdecker. Wer darf aber wirklich für sich das Recht in Anspruch nehmen, den Tee als erster Mensch getrunken zu haben ? Da scheiden sich wieder einmal die Geister, diese Person ist in der langen Geschichte der Menschheit leider untergegangen. Deshalb entstanden natürlich rund um den Tee Legenden und Geschichten. Und Mythen ranken sich um denjenigen, welcher den Tee als erster Mensch genossen hat. Und wie könnte es anders sein, einem chinesischen Kaiser wird das Privileg zugesprochen, den Tee quasi im Vorbeigehen erfunden zu haben. Die folgende kleine Erzählung, natürlich ein bisschen the(e)atralische aufbereitet, soll etwas Tee-Licht ins Dunkel unserer langen, von vielen Irrtümern und Mißverständnissen geleiteten und begleiteten Menschheitsgeschichte bringen. Vielleicht war es ja wirklich so mit dem Tee, aber möglicherweise war es auch ganz anders, wer weiß dies schon.
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Gehen wir also zurück in unserer langen Geschichte, begeben wir uns in´s alte Kaiserreich China, steuern wir einen Punkt im Jahre 2737 vor Christus an, genauer gesagt den 14. Mai. Und spinnen wir den Faden der Geschichte weiter. Chen Nung (auch Shen Nung oder Shennon), so der Name jenes damaligen Herrschers des chinesischen Kaiserreiches, saß, in seine vormittäglichen Pflichten vertieft und Audienzen abhaltend, im Schatten seiner leuchtenden Halle, der Ming Tang (mehr dazu unter Himmlische Tiere). Sie glauben mir nicht, daß es dieses Datum vor ca. 5000 Jahren war ? Recht haben Sie, aber es klingt so melodramatisch. Sie können natürlich auch einen beliebigen anderen Tag nehmen, aber so ca. vor 5000 Jahren sollte er schon liegen, denn als gesichert gilt, daß der Tee zum Zeitpunkt der frühen chinesischen Dynastien seinen Ursprung hat. Warum mußte es aber ausgerechnet ein Kaiser sein, welcher den Tee "erfunden" hat ? Ganz klar, nur der oberste Herrscher des alten China hatte das Recht und selbstverständlich auch die Pflicht, Neues für sein Volk zu entdecken und Innovationen voranzutreiben. Nicht von ungefähr stand er für das oberste Glückssymbol der Chinesen, den Drachen. Aber nun wieder zurück zu unserer kleinen Tee-Geschichte.
Der altehrwürdiger Kaiser Chen Nung saß also am 14. Mai im Jahre 2737 v.Chr. auf seinem Drachenthron und erledigte die Staatsgeschäfte des Tages. Wie es der Zufall so will, wehte wieder einmal eine laue Brise, strich sanft durch die nahe bewaldeten Hügel und verfing sich in den Blättern eines nahe gelegenen Strauches. Der Kaiser, eine Tasse heißes Wasser neben sich stehend, sah kurz auf und blickte wohlwollend auf die von der Frühlingssonne (edel-optics.at) in zartes Licht getauchten und sanft im Wind raschelnden Blätter, um sich aber sogleich wieder in seine Schriftrollen zu vertiefen. Und dann plötzlich, es war, als hielte die Natur den Atem an, lösten sich einige der Blätter von dem nahen Strauch und schwebten mit stillen, kreisenden Bewegungen in Richtung des obersten Herrschers. Ein leiser, kaum wahrzunehmender Windstoss spielte mit den Blättern, trieb sie vor sich her und dirigierte sie mit unsichtbarer Hand in die Tasse mit heißem Wasser. Vollkommen vertieft in seine Schriftrollen griff der Kaiser nach einiger Zeit zu der aus herrlichstem Porzellan gefertigten Tasse, um sich an dem heißen Wasser zu erfrischen. Etwas Weiches, Ungewohntes im Mund ließ ihn mürrisch werden. Wahrscheinlich schon wieder ein kleines Insekt, so dachte er wohl. Aber dann ließ ihn die seltsame Färbung des Wassers in seiner kleinen, von Hand gefertigten, kaiserlichen Porzellantasse aufmerksam werden. Panisch spuckte er die grünliche Brühe wieder aus, der ganze Hofstaat geriet in helle Aufruhr, alles rannte wild und entschlossen mit gezückten Waffen hin und her, auf und ab, nach hinten und vorne, von Osten nach Westen, von Schildkröte zu Phönix. "Der Kaiser wurde vergiftet", so klang es aus tausend Mündern gleichzeitig. Doch der Kaiser wäre nicht der Kaiser, ruhig und besonnen nach dem ersten Schreck hob er die Hand, befahl mit einem einzigen Wink, einer souveränen Geste, einer kaiserlichen Handbewegung um sofortige Ruhe.
Bevor ich jetzt weiter erzähle, muß ich kurz erklären, warum es sich um eine grünliche Brühe gehandelt haben muß. In meiner ersten Fassung dieser Geschichte schrieb ich nämlich von einer bräunlichen Farbe. Dann packte mich aber die Neugierde und ich begann nachzuforschen, ob es wirklich um Schwarztee gehandelt haben kann oder ob die Chinesen überhaupt diese Teesorte schon kannten. Fündig geworden bin ich dann bei dem Schweizer Naturheilkundespezialisten Peter Oppliger, welcher sehr plausibel erklärt, warum es sich um Grüntee gehandelt haben muß. Und dazu gleich noch etwas. Die Teeblätter konnten sich aus dem einfachen Grunde in heißem Wasser auflösen, da die alten Chinesen aus hygienischen Gründen und um schädliche Keime abzutöten, das Wasser bereits abkochten. Ganz schön ausgekocht, dieses Abkochen schon vor so langer Zeit !
Gehen wir jetzt aber wieder zurück zu unserer ursprünglichen Geschichte. Die kaiserliche Hand hob sich also gebieterisch, wischte mit einem einzigen Wink all den Lärm aus seinem Palast, sein kaiserlicher Blick fror jede Bewegung seiner Untertanen ein. Und dann, ja dann nahm Chen Nung die Porzellantasse mit dem heißen Getränk, beäugte die wundersame Verfärbung des heißen Wassers, roch erst mit seinem dem Osten zugewandten Nasenloch, schnüffelte darauf lange und intensiv mit seinem dem Westen zugewandten Nasenloch und dann, um noch einmal ganz sicher zu gehen, roch er mit dem östlichen und dem westlichen, also kurzum beiden Nasenlöchern an der kaiserlichen Porzellantasse.
Ein Mann, ein Wort. Nein, ein chinesischer Kaiser, ein Schluck.
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Kaiser Chen Nung trank einen kleinen Schluck, spülte im kaiserlichen Mund und ließ das heiße Getränk zur geschmacklichen Analyse lange, sehr lange, am kaiserlichen Gaumen. Nach Sekunden, die seinen Untertanen wie Stunden vorkamen, entschloß sich Chen Nung im Stillen: "Runter mit dem Zeug !". Und was war sein erstes Wort, als er den wohriechenden und wohltuenden Geschmack und Geruch in Nase und Rachen hatte ? Richtig, Kaiser Chen Nung sagte ganz kurz und bündig: "Cha", das chinesische Wort für Tee. Naja, vielleicht dachte der Kaiser auch mehr daran, ob dies jetzt wohl sein letzter Schluck im irdischen Dasein war. Aber egal, die Geschichte braucht nun einmal Helden und Heroen, deshalb legen wir Kaiser Chen Nung das Wort Cha, also Tee, in den Mund. Wir finden übrigens auch heutzutage sowohl im östlichen als auch im europäischen Sprachgebrauch sehr ähnliche Bezeichnungen für das chinesische Wort Tee. Nun gut, auf alle Fälle war der chinesische Wortschatz um eine Silbe reicher und in der heutigen Welt ist Tee das meistgetrunkene Getränk, nicht Kaffee und schon gar nicht Bier. Obwohl ich selbst in manchen Gegenden und Ländern das Gefühl habe, daß gerade letzteres Getränk noch weit vor dem Genuss von Tee kommt.
Dies ist also die wahre Geschichte vom Tee, und speziell vom grünen Tee. Sie glauben mir nicht, daß der Tee, egal ob es nun Schwarztee, Grüntee oder Bio Tee war, gerade so entdeckt wurde. Ich hätte da noch eine andere Geschichte über den Tee auf Lager. Aber mir gefällt die Version von Chen Nung und seiner Entdeckung der Teeblätter so gut, daß ich diese andere Legende nur noch kurz am Rande streifen will.
Es begab sich zur Zeit des Jahres 519 n.Chr., daß ein buddhistischer Mönch namens Bodhidharma (oder auch Bodhidarma) über Jahre hinweg vor einer Felswand meditierte. Bodhidharma hat übrigens wirklich gelebt hat, er entstammte dem indischen Königshaus, wobei sich um seine Gestalt aber sehr viele Legenden gebildet haben. Was hat aber jetzt dieser indische Königssohn und der Tee miteinander zu tun ?
Wie schon geschrieben, Bodhidharma war ein großer Meister der Meditation. Doch eines Tages siegte der Zorn in ihm ob seiner menschlichen Schwäche nach dem Bedürfnis nach Schlaf. Als Bodhidharma eines Tages beim Meditieren die Augen zufielen, packte er aus lauter Verzweiflung und natürlich voller Zorn beide Augenlider und riss sie sich aus. Achtlos warf er die beiden Augenlider weg, um sich wieder voll und ganz seiner Meditation zu widmen. Doch siehe da, aus den beiden Augenlidern keimten zwei zarte Pflänzchen, wuchsen und trugen Blätter in der Form der ausgerissenen Augenlider. Bodhidharma, neugierig geworden, was da aus seinen Augenlidern erwuchs, kostete sogleich von den grünen Blätter. Fast im selben Moment fühlte er sich hellwach, munter und wieder gestärkt. Cha, die Bedeutung für Tee, hat deshalb im Japanischen eine Doppeldeutigkeit. In den japanischen Schriftzeichen steht das Wort oder die Silbe Cha sowohl für Tee als auch für Augenlid (z.B. Japanische Teezeremonie).
Wer aber nun wirklich den Tee als Erste oder als Erster verkostet hat, sei es nun der chinesische Kaiser Chen Nung oder der buddhistische Mönch Bodhidharma oder ein ganz ein anderer Mensch, welcher in den Wirren der Menschheitsgeschichte untergegangen ist, ist im Grunde genommen ganz egal. Eines ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen: Der Tee hat viele Menschenleben gekostet, um den Tee wurden Kriege geführt und der Tee machte viele Menschen und Staaten reich. Der Tee war Ziel vieler Intrigen, um den Tee wurde Spionage auf höchster Ebene getrieben und der Tee ließ einige der wichtigsten Handelsrouten des Mittelalters entstehen. Und der Tee ist für die Entstehung der USA mitverantwortlich, vielleicht hat der eine oder andere Leser schon einmal etwas von der Boston-Tea-Party gehört, diese Bostoner Tee Feier ist der Inbegriff des amerikanischen Bürgerkriegs. Der Tee gilt als Auslöser für den nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
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